Vermutlich hast du es schon irgendwo gelesen: Dankbarkeit ist voll im Trend bei Selbsthilfebüchern. Warum? Mögen dich die anderen dann mehr, wenn du dankbar bist? Möglicherweise, aber darum geht es nicht. Du bist zufriedener mit dir und deinem Leben, wenn du dankbar bist. Ich glaube, dass da aber noch Erklärungsbedarf besteht.

Neu ist immer besser

Dankbarkeit ist in letzter Zeit so beliebt, weil sie zu den Achtsamkeitsübungen gehört, bei denen du die Aufmerksamkeit auf dich, also auf deine Gedanken und Wahrnehmungen, lenkst. Damit ist Achtsamkeit eine einfache Form der Meditation und verschafft dir einen ruhigen Moment, in dem du entspannt und doch konzentriert bist. Es geht darum an dir selbst und in der Umwelt Dinge wahrzunehmen, die du sonst nicht bemerken würdest. Damit wird der Autopilot unseres Gehirns, das glaubt, eh schon alles gesehen zu haben, unterbrochen. Unsere Wahrnehmung wird gefördert und die Filter im Gehirn umgangen.

Ähnlich ist es bei der Dankbarkeit. Unser Gehirn hat sich so sehr an unsere Situation gewöhnt, dass wir vergessen, wie gut es uns eigentlich geht. Zieht man vom Land in die Stadt, erfreut man sich zum Beispiel der hohen Frequenz der öffentlichen Verkehrsmittel. Da man eine Wartezeit von einer halben Stunde gewohnt war, ist man von einer maximalen Wartezeit von nur zehn Minuten begeistert. Aber warte mal ab. Einen Monat später kommt man zur Busstation und sieht, dass man neun Minuten warten muss – so ein Mist! Über die Wartezeit hätte man sich vor einem Monat noch gefreut, also was ist passiert? Diese kleine Sache namens “Gewöhnung” – das ist passiert!

Warum bin ich so fröhlich? So fröhlich?

Egal, was uns Gutes widerfährt, wir gewöhnen uns schnell daran und bald ist es Standard. Dieser Standard wird nicht mehr hinterfragt und dementsprechend ärgern wir uns, wenn er unterschritten wird. Bei der Dankbarkeit geht es darum, diese Gewohnheit wieder abzubauen und die wunderschönen Dinge im Leben wieder zu bemerken. Du hast jeden Tag genug zu essen – sei dankbar. Du kannst dich uneingeschränkt und ohne Schmerzen bewegen – sei dankbar. Du hast eine Familie – sei dankbar. Du spürst die warme Sonne auf deiner Haut – sei dankbar. All das ist nicht selbstverständlich und verdient es gewürdigt zu werden.

Wenn dir erst mal klar wird, wie gut es dir geht, dann ärgerst du dich nicht mehr so bald über Kleinigkeiten, wo andere vielleicht sagen würden: “Na, der hat vielleicht Probleme…”

Guten Morgen liebe Sorgen

Du kennst solche Leute, deren Sorgen du nicht verstehst. Anders herum gibt es Leute, die deine Sorgen nicht verstehen würden (Stichwort “First world problems”). Also dreh den Spieß mal um und mach dir nicht ständig Gedanken oder ärgere dich, sondern sei dankbar für alles, was ist. Für die simpelsten Dinge. Dabei kann dir ein Dankbarkeitstagebuch helfen, in dem du jede Früh oder jeden Abend Dinge notierst für die du dankbar bist. Durch das Tagebuch werden diese Denkprozesse zu Routinen und entfalten eine umso stärkere Wirkung.

Und für die ganz Harten gibt es noch die radikale Dankbarkeit, bei der du sogar für (aus deiner momentanen Sicht) negative Ereignisse dankbar bist. Immerhin kannst du nicht wissen, was es möglicherweise für einen Nutzen hat, dass du den Bus verpasst hast. Vielleicht war es ja ganz gut so. Also kannst du, statt dich zu ärgern, auch gleich dafür dankbar sein. Das Ereignis bleibt das gleiche, nur deine Sicht darauf verändert sich – und damit ist alles anders.

Nichts zu danken, hab ich dir doch gern erzählt…

Zusammenfassung

Wir gewöhnen uns so schnell an einen Lebensstandard, dass wir oft vergessen, wie gut es uns eigentlich geht. Darum achte mal wieder auf die kleinen Dinge im Leben und sei dankbar für alles was du bist und hast – selbst dafür, dass du genug zu essen und gesunde Beine hast. Dann wirst du bald zufriedener mit dir selbst und deinem Leben sein und dich weniger über unbedeutende Dinge ärgern. Und selbst wenn mal etwas Ärgerliches passiert, sei trotzdem dankbar. Immerhin kannst du es eh nicht ändern und vielleicht war es ja ganz gut so.

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