Eine der großen Schwachstellen beim Lernen sind Zahlen. Das menschliche Gehirn muss erst seit ca. 6000 Jahren mit Zahlen jonglieren können – das ist für die Evolution sehr wenig Zeit. Dementsprechend konnte sich unser Gehirn noch nicht darauf einstellen. Mit Mnemotechniken kannst du deiner Rechenmaschine aber etwas auf die Sprünge helfen und diesen Nachteil ausgleichen. Für Zahlen gibt es da kaum eine bessere Technik als das Major System! Ta-daa!

Kurzbeschreibung

Es fällt dir schwer dir Zahlen zu merken, egal ob es Telefonnummern, PIN-Codes oder Jahreszahlen sind? Du hast kein System beim Lernen von Daten und Fakten, sondern hoffst, dass sie irgendwie hängen bleiben? Eine hundertstellige Zahl auswendig zu lernen wäre für dich eine Lebensaufgabe?

Das Major System erlaubt es dir spielend alle Arten von Zahlenkombinationen zu speichern. Sogar während du spazieren gehst oder in der Vorlesung sitzt, kannst du dir ganz spontan Nummerntafeln oder Jahreszahlen gezielt merken. Die Telefonnummern deiner Familie und Freunde kannst du dann ebenso auswendig lernen, wie deinen IBAN oder das Geburtsdatum von Arbeitskollegen.

Das Tool

Major System – Zahlen in Worte

Das Major System (auch Master System genannt) wandelt die Zahlen in Wörter um, die du dir dann viel einfacher merken kannst. Es ist damit das effektivste System für diesen Zweck und wird von Gedächtnisweltmeistern und Mentalisten verwendet. Da es aber nicht sofort umgesetzt, sondern erst erlernt werden muss, gehört es zu den Fortgeschrittenen-Techniken. Ich bin mir aber sicher, dass du es morgen schon beherrschst, wenn du dich bemühst – es ist wirklich nicht so kompliziert.

Um das Major System anwenden zu können müssen wir erst die einzelnen Ziffern bestimmten Buchstaben zuordnen. Diese bleiben dann immer gleich. Alles was du also machen musst, damit du es dein restliches Leben anwenden kannst, ist eine kleine Liste auswendig zu lernen. Auch hier können wir wieder auf Mnemotechniken zurückgreifen, wodurch die Liste kein Problem mehr darstellt.

Die Major-Liste

  • 0: s, z, ss, ß
  • 1: t,d
  • 2: n
  • 3: m
  • 4: r
  • 5: l
  • 6: sch, ch, j
  • 7: g, k, c
  • 8: f, v, w
  • 9: b,p

Auch wenn die Liste anfangs etwas abschreckend wirkt, lohnt es sich die Technik zu lernen und es dauert ja nicht lange. Unten findest du außerdem noch ein paar Merkhilfen.

Zahlen umwandeln

Um nun eine Zahl abspeichern zu können musst du sie nur anhand der Liste in ein Wort „übersetzen“. Dafür sind folgende Regeln zu beachten:

  • Es gelten nur Konsonanten, keine Vokale (einfach gesagt nur die Buchstaben der Major-Liste)
  • Der Wortklang ist entscheidend, stumme Buchstaben werden nicht gezählt
  • Doppelte Buchstaben gelten als einer
  • Das Wort folgt der Reihenfolge der übersetzten Zahlen

Anwendungsbeispiele

Mit ein paar Beispielen wird das ganze hoffentlich etwas klarer. Anhand der Major-Liste übersetze ich hier einige Zahlen in Wörter:

33 → Mama, Mumie, Memo, Imam

86 → Fisch, Fach, Wache, Weiche

49 → Rabe, Robbe, Reibe, Erbe

In diesem Fall sind es Jahreszahlen aus dem 20. Jahrhundert, die ich als Beispiel gewählt habe. Die 33 ist das Jahr, in dem Hitler an die Macht kam, 86 war Tschernobyl und 49 ist die Volksrepublik China gegründet worden. Wenn du also Bilder der Ereignisse mit den Bildern des Major System verknüpfst, kannst du diese ganz einfach wieder abrufen.

Bei seiner Antrittsrede wird Hitler von seiner Mama oder einer Mumie umarmt. Bei Tschernobyl wirft jemand einen Fisch in den Reaktor, worauf das Ding explodiert. Und die Flagge des kommunistischen Chinas wird von einem Raben gehisst.

Wenn du dich an das Datum nun erinnern willst, dann rufst du diese Merkbilder wieder ins Gedächtnis und übersetzt das Wort zurück in die Zahl. Bei dem „Fisch“, der in den Reaktor geworfen wird, würdest du das „f“ als eine 8 und das folgende „sch“ als eine 6 erkennen. Damit ist klar, dass Tschernobyl im Jahr 86 stattgefunden hat.

Erklärungsvideo von Logical Lemon:

Nun da du das System kennst, gehts am besten gleich zur Anwendung!

Bis zur Unendlichkeit – und noch viel weiter!

Für längere Zahlen ist das Major System sogar noch besser geeignet. Es ist dann lediglich notwendig mehrere Wörter zu verwenden. Am besten immer ein Wort für zwei Ziffern, dann kommst du nicht durcheinander. Diese Wörter wandelst du in Bilder um und fügst sie zu einer Geschichte zusammen.

Pi auswendig lernen

Als Beispiel kannst du versuchen die ersten 20 Stellen von Pi zu lernen. Glaub mir, das schaffst du! Los geht’s:

3, 14 15 92 65 35 89 79 32 38 46

Für die drei verwendest du am besten das Zahlenbild eines Dreirads oder Pfeil-und-Bogens (sieht aus wie eine 3) und setzt die Geschichte in eine Umgebung, die dich an Pi erinnert. Dafür kann das Klassenzimmer ebenso herhalten wie das Boot von „Life of Pi“.

Schon kann deine Geschichte beginnen! Als erstes muss die 14 eingebaut werden, für die du z.B. Thor, Tür, Tier oder Dürre verwenden kannst. Du sitzt also in deinem Klassenzimmer und möchtest Pi lernen, schaffst es aber nicht. Aus Wut nimmst du deinen Bogen vom Rücken. Doch der verwandelt sich plötzlich in Thor. Say what?

Er erklärt dir eine Mnemotechnik und gibt dir damit ein Tool (15), mit dem du Pi lernen kannst. Du willst dich gerade hinsetzen, um zu lernen, da verlierst du ein Bein (92). Sofort humpelst du aus der Schule (65). Doch du kommst nicht weit, denn es schneit draußen Mehl (35). Du bleibst im Mehl stecken, doch du kannst dich auf eine Wippe (89) retten. Die schleudert dich aber weg, bis nach Kuba (79). Dort gelandet torkelst du auf eine Mine (32). Verletzt bleibst du liegen und eine Möwe (38) beginnt dich anzuknabbern. Doch dann verwandelt sie sich in Rauch (46).

Stell dir die Geschichte so bildlich wie möglich vor, damit das Major System auch seine volle Wirkung entfalten kann. Lass auch gleich Emotionen und andere Sinne einfließen. Wie fühlst du dich in dieser absurden Situation? Was hörst du? Was spürst du? All diese Vorstellungen helfen dir, die Bilder später abrufen zu können. Damit gehörst du nun zu dem einen Prozent der Menschheit, die die ersten 20 Stellen von Pi aufsagen können. Und wenn du etwas üben willst, kannst du ja noch nachlegen. Dir sind hier keine Grenzen gesetzt. Bei einer längeren Zahl, wie eben Pi, würde ich nach zehn Bildern ein Symbol (wie ein Dimensionsportal oder einen krassen Ortswechsel durch eine höhere Macht) einbauen, damit du nicht immer die ganze Geschichte durchgehen musst, um die späteren Zahlen abrufen zu können. Für immer auslassen darfst du sie aber auch nicht, denn die Wiederholung der Geschichte ist wichtig, damit sie auch im Gedächtnis bleibt!

Das Major System kannst du hervorragend mit anderen Mnemotechniken, wie der Loci-Methode, kombinieren und schon bald hast du deinen eigenen Gedächtnis-Palast! Viel Spaß dabei!

Merkbilder für die Major-Liste

  • 0: Zero schreibt man mit „z“, spricht es aber mit „s“
  • 1: Das „t“ schaut aus wie eine 1 und ist dem „d“ sehr ähnlich
  • 2: Das „n“ hat zwei Striche
  • 3: Das „m“ hat drei Striche
  • 4: Das „r“ steht am Ende bei vier
  • 5: L ist die römische 50
  • 6: Die Sechs ist die einzige Zahl mit „ch“
  • 7: Die sieben Zwerge heben viele Kilogramm (kg)
  • 8: Die 8 sieht aus wie das Audi-Logo, also ein „falscher VW“
  • 9: Ein Luftballon (sieht aus wie 9) schwebt bei einer BP-Tankstelle

Meine 100 Liste

Falls du Hilfe beim Erstellen der zweistelligen Merkbilder brauchst, habe ich hier meine 100 Liste für dich! Viel Spaß damit!

Zusammenfassung

Das Major System wandelt Zahlen in Worte um. Dafür muss nur eine kurze Liste der Zahlen und Buchstaben gelernt werden. Danach kann anhand der Liste jede Zahl „übersetzt“ werden. Ob PIN-Codes, Jahreszahlen oder die endlose Zahl Pi, alles ist möglich. Bei längeren Zahlen solltest du die Wörter aber immer aus zwei Ziffern bilden, damit du nicht durcheinander kommst. Diese Wörter wandelst du in Bilder um und fügst sie zu einer Geschichte zusammen. Damit kannst du später die Wörter anhand der Major-Liste wieder zurück „übersetzen“.

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